Krim „bald“ von Russland abgeschnitten

 


Die gegenseitigen Attacken im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind auch am Freitag mit unverminderter Härte weitergegangen. Die Krim werde „bald“ von Russland abgeschnitten sein, ist der Kommandant der ukrainischen Drohneneinheiten, Robert Browdi, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters überzeugt. Er legte dazu auch Zahlen vor, die die ukrainischen Erfolge belegen.

Die Kampagne habe den Verkehr auf der Noworossija-Autobahn im vergangenen Monat um mehr als zwei Drittel reduziert, so Browdi. Die „Noworossija-Route“ ist die entscheidende russische Hauptversorgungsroute, die sich durch die von Moskau besetzten ukrainischen Gebiete schlängelt und Rostow am Don in Russland über die Küste des Asowschen Meeres mit Melitopol, Mariupol und der Krim verbindet.

Die Straße, die seit Ende Mai fast vollständig für den zivilen Verkehr gesperrt ist, ist für Moskau besonders wichtig, da sie den wichtigsten Landkorridor zur Versorgung der russischen Streitkräfte im Süden darstellt, die die exponierte Kertsch-Brücke zur Krim meiden.
Zahlreiche „Wracks auf Straßenrand“

Browdi ist überzeugt, dass die Ukraine innerhalb eines weiteren Monats die Straße vollständig kontrollieren werde. „Wir werden die Krim in naher Zukunft isolieren“, so Browdi zu Reuters.

Laut „Guardian“ haben die ukrainischen Streitkräfte der „Noworossija-Route“ den Namen „Todesstraße“ gegeben. Das ist eine Anspielung auf die ukrainischen Drohnen, die den Luftraum über der Straße beherrschen und russische Militärkonvois quasi jagen.

„Wir beobachten alle Bewegungen und haben die Reparaturarbeiten des Gegners vollständig unter Kontrolle. Wir sind jederzeit bereit, unsere Fernoperationen durchzuführen“, hieß es laut „Guardian“ von ukrainischer Seite am Dienstag. Dutzende Lastwagen und Tankwagen seien zerstört worden, die Wracks lägen am Rande der Straße.
Operationen stark ausgeweitet

Die russische Armee nutzt die Halbinsel für Luftangriffe auf ukrainisches Gebiet und zur Versorgung ihrer Einheiten in der Südukraine. Die Krim ist auch ein wichtiges Feriengebiet. Die Angriffe auf die Nachschubwege auf die Krim treffen daher auch das Hotel- und Gaststättengewerbe auf der Krim empfindlich.

Browdi will es Russland so schwer wie möglich machen. „Wir werden Bedingungen schaffen, die es Militärangehörigen und Mitarbeitern der Rüstungsindustrie extrem erschweren, sich auf der Krim, in den vorübergehend besetzten Gebieten aufzuhalten oder die Zugangswege dorthin zu nutzen“, so Browdi zu Reuters.
ISW: Alle Straßen zu Krim unterbrochen

Laut dem US-amerikanischen Institut für Kriegsstudien (ISW) seien in dieser Woche alle drei Straßenverbindungen von der Südukraine auf die Halbinsel unterbrochen worden. Für die Bewohner und Bewohnerinnen der Krim ist Treibstoff mittlerweile auch mit Bezugsscheinen kaum noch zu bekommen. Da von der Krim viele zum Tanken über die Kertsch-Brücke ins anliegende russische Gebiet Krasnodar fahren, kam es auch dort Medienberichten zufolge bereits zu Engpässen bei der Kraftstoffversorgung.

Für Treibstofftransporte per Bahn oder Lastwagen ist die Brücke von Kertsch zu unsicher. Mehrere Fähren, die von Russland zur Krim kursierten, hat die Ukraine ausgeschaltet.
Blogger: Professioneller Feind

Offenbar zollen selbst russische Militäranalysten Browdi Anerkennung. Andrej Medwedew, Blogger und Reporter für russische Staatsmedien, nannte Browdi „einen gefährlichen, überzeugten und professionellen Feind“. Der Betreiber des Telegram-Kanals „Rybar“ attestierte ihm, „die effektivste Formation ihrer Art“ geschaffen zu haben.

Bis zum Februar 2022 hatte Browdi nichts mit dem Militär zu tun. Vor der russischen Vollinvasion machte er offenbar ein Vermögen als Getreidehändler. Browdi meldete sich freiwillig zum Kampf und gründete im Mai 2022 seine eigene Drohnenstaffel. Zwei Jahre später schuf die Ukraine die weltweit erste Einheit für unbemannte Kampfsysteme, zu deren Kommandeur Präsident Wolodymyr Selenskyj Browdi im vergangenen Jahr ernannte.

„Ich habe mein Buchhaltungssystem einfach an den Krieg angepasst“, berichtete er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP jüngst. „Wir haben die Namen der Getreidesorten in der Tabelle durch Drohnen- und Munitionstypen ersetzt.“
General: In einzelnen Bereichen Russland voraus

Der ukrainische Armeechef Olexandr Syrskyj sieht gute Fortschritte. „Heute können wir mit gutem Grund behaupten, dass die Ukraine im Wettstreit um Technologie, Innovation und Produktionskapazitäten dem Gegner zumindest in nichts nachsteht und ihm in einzelnen Bereichen sogar voraus ist“, so Syrskyj am Donnerstag gemäß einer Mitteilung auf Telegram, wie die dpa meldete.

Bei frontnahen ferngesteuerten Drohnen liege das Verhältnis bei 1,5 zu eins zugunsten der ukrainischen Truppen und verbessere sich zunehmends. Im Mai seien bereits 12,7 Prozent mehr gegnerische Ziele getroffen worden als im April, so Syrskyj weiter.

Dazu haben ukrainische Drohnenpiloten seit Jahresbeginn Syrskyj zufolge 12.500 zusätzliche russische Soldaten außer Gefecht gesetzt, als Moskau im gleichen Zeitraum anwerben konnte. Der General hob ebenso hervor, dass seine Drohnentruppen im russischen Hinterland bis zu 200 Kilometer hinter der Frontlinie zunehmend effektiver und massenhafter Drohnen einsetzen. Die Angaben aus dem Kriegsgebiet lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

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